Aikishintaiso. Philosophie

Das Aikishintaiso ist ein Weg. Der Begriff des Weges kommt aus der Tradition der asiatischen Kampfkünste. Sich auf dem Weg zu befinden, bezeichnet einen Prozess der Identitätssuche. Die Praxis des Aikishintaiso ist eine Möglichkeit, sich auf diesen Weg zu begeben und seine Persönlichkeit zu entfalten; ein Weg zu mehr Lebendigkeit.

Das Aikishintaiso beruht auf den japanischen Konzepten Harmonie (Ai), Energie (Ki), Herz, Seele und Geist (Shin) und Körperbewegung (Taiso). Damit lässt es sich als eine Bewegungskunst zur Harmonisierung der Energien und zur Verbesserung der psychosomatischen Ganzheit begreifen. Es stimuliert die Selbstheilungskräfte und erkennt den Praktizierenden in seiner Eigenverantwortung und Autonomie an. Die Meditations- und Bewegungsübungen wirken auf die Körperhaltung, das Körperbefinden, die Gesundheit und auf die Persönlichkeitsentwicklung ein. Sie schärfen die Wahrnehmung und die Bereitschaft für den Austausch mit anderen. In dieser japanischen Bewegungskunst verbindet sich Erfahrungswissen aus den Kampfkünsten mit der Philosophie des Taoismus, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und dem Zen sowie mit Einflüssen aus der Anatomie, Psychologie und Embryologie.

Inhalte des Aikishintaiso:

  • die Wahrnehmungsfähigkeit schärfen
  • 
mit dem eigenen Körper achtsam umgehen
  • 
das vorhandene Körperwissen weiter entwickeln
  • die Einheit von Körper und Geist spüren
  • die Aufrichtung des Körpers als dynamischen Prozess erfahren
  • die innere und äußere Bewegung miteinander in Verbindung bringen
  • Disziplin als Form der Aufrichtigkeit ausüben
  • mehr interne Autonomie erlangen

Geschichtliche Entwicklung

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Morihei Ueshiba, der Gründer des Aikido, hat im Rahmen seiner Kampfkunst auch die Grundlagen des Aikishintaiso entwickelt. Sein Schüler Kobayashi Sensei hat dieses Körperwissen an den Franzosen André Cognard Hanshi weitergegeben. Er hat das Aikishintaiso in Frankreich zu einem eigenständigen Weg entwickelt und gründete in den 1980er Jahren in der Nähe von Lyon die Schule Akademie Autonome d‘ Aikido Kobayashi Hirokazu. Dort erhielt Gitta Barthel ihre Aussbildung und Qualifikation als Aikishintaiso-Lehrerin. 1996 führte sie das Aikishontaiso in Deutschland ein und unterrichtet es seither regelmäßig.


Kampfkunst und Zivilisation – Aikido, Gesellschaft und spirituelles Bewusstsein

„Die Vollkommenheit existiert sehr wohl in dieser Welt, sie ist genau da, wo wir das Anderssein wahrnehmen, ohne es zu verstehen.“

André Cognard in Kampfkunst und Zivilisation: Aikido, Gesellschaft und spirituelles Bewusstsein, 2002, S. 110.

André Cognard veröffentlichte 1995 das Buch Civilisation et arts martiaux, ou: Le noeud de la ceinture, welches Gitta Barthel 2002 übersetzte, sodass auch deutsche LeserInnen Einblicke in seine Philosophie erhalten. André Cognard, vielen Aikidōka in Deutschland durch seine Lehrgänge bekannt, untersucht in diesem wegweisenden Band die Zusammenhänge von Kampfkunst - hier Aikidō, aber leicht übertragbar auf alle anderen Kampfkünste - und unserer westlichen Zivilisation. Welche Stellung, welche Bedeutung hat eine aus dem mittelalterlichen Schwertkampf der Samurai entlehnte Kampfkunst heute für uns, in unserer Gesellschaft?

Cognard, André (2002): Kampfkunst und Zivilisation: Aikido, Gesellschaft und spirituelles Bewusstsein, Heidelberg: Leimen, Werner Kristkeitz Verlag

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